Wenn Staub plötzlich Feuer spielt
Um 19:16 Uhr war Schluss mit Feierabendromantik: Die Wetterdienste warnten vor Unwetter, die Sirenen heulten, und wir machten uns – siegessicher und innerlich schon auf den klassischen „Ast-auf-Straße“-Einsatz eingestellt – auf den Weg zum Feuerwehrhaus. Ein kurzer Blick auf den Einsatzmonitor sollte diese Vermutung eigentlich bestätigen. Stattdessen leuchtete uns dort entgegen: F2, Rauchentwicklung im Gewerbegebiet Morsum. Bitte was? Feuer? Bei dem Wetter? Nun gut – Helm auf, los geht’s.
Gerade einmal fünf Minuten nach der Alarmierung standen wir schon in der gemeldeten Einsteinstraße. Vor Ort dann die erste Überraschung: kein Rauch. Gar keiner. Auch die weiteren anrückenden Feuerwehren sowie die Polizei schwärmten sofort zur Erkundung aus – mit dem Ergebnis: weiterhin kein Rauch, kein Feuer, keine Flammen, nicht einmal ein verdächtig qualmender Mülleimer. Also nahm die Leitstelle erneut Kontakt mit der meldenden Person auf. Die Aussage blieb eindeutig: Rauch und Feuerschein seien gesehen worden. Also wurde weiter gesucht, mehrere Betriebsgelände wurden kontrolliert – doch das große Feuer blieb hartnäckig unsichtbar.
Schließlich konnte ein Mitarbeiter eines Betriebs angetroffen werden, der das Rätsel auflöste: Auf einem nahegelegenen Wertstoffhof war eine ordentliche Staubwolke aufgewirbelt worden. In Kombination mit einem orange leuchtenden Strahler ergab das offenbar das perfekte Bühnenbild für ein vermeintliches Feuer mit Rauchentwicklung. Damit war klar: kein Brand, kein Einsatz – nur eine ausgesprochen kreative Interpretation der Lage. Wir konnten also wieder einrücken, diesmal ganz ohne Löschwasser, aber mit einer guten Geschichte im Gepäck.
Trotzdem gilt unser Dank dem Anrufer für den Hinweis. Lieber fahren wir einmal ohne Feststellung zurück, als einen echten Brand zu spät zu entdecken. Ein Entstehungsbrand lässt sich oft mit wenig Aufwand bekämpfen – ein ausgedehntes Feuer deutlich schwerer. (Siehe Symbolfoto)
Aufgrund der Unwetterlage war für uns allerdings noch nicht sofort Feierabend: Wir blieben bis 21:10 Uhr in Bereitschaft im Feuerwehrhaus, bevor wir dann endgültig in den wohlverdienten Feierabend entlassen wurden.
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